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Schuldentilgung
in 30 Jahren
Im Jahr der
Fertigstellung und Benutzbarkeit der zollfreien Niederlage
(1846) wurden von den Initiatoren auch die Rechtssatzungen
beschlossen. Darin hieß es u. a.: „Zweck der Niederlage ist die
Förderung des Handels. Zur Deckung der Unkosten werden Lager-,
Waage-, Kran- und Schlachtgelder erhoben. Gewinne sollen
zunächst zur Abzahlung der Aufwendungen bzw. Schulden verwendet
werden. Nach der Schuldentilgung in geschätzten 30 Jahren soll
der Überschuss zu gleichen Teilen aufgeteilt werden".
Bau eines
Zollamtsgebäudes
1869 wurde auf
Veranlassung des zuvor zitierten Personenkreises und vermögen der
von ihm bereitgestellten Gelder unmittelbar neben dem Lagerhaus
auf dem ja reichlich verfügbaren Grund und Boden ein
Zollamtsgebäude errichtet unter der Bedingung, dass den
Geldgebern ein „Vorkaufsrecht unter Zugrundlegung von 750 Thalern" (ein Thaler gleich drei Reichsmark) eingeräumt wurde.
Die Lagerhaus-Gemeinschaft erwarb zudem am Weserufer als
Verladerampe das „Bollwerk und den Kran", die der Eigentümer des
Fährhofes im Auftrage der „Preuß. Accise-Commission" seit 1920
unterhalten hatte. Im fraglichen Jahr übrigens, so weisen es die
Geschäftsbücher aus, wurden u. a. 15.680 Zentner Tabak
eingelagert. Davon gingen lediglich 6.204 Zentner in die
Nachbarorte Bünde, Bielefeld, Osnabrück und ins Lipperland zur
weiteren Verarbeitung; der Hauptanteil jedoch blieb in Vlotho.
In den Jahren 1870
bis 1873 erwarb Leopold Tintelnot, Mitinhaber der Zigarrenfabrik
Niemann & Tintelnot, Grundstücksanteile ausgeschiedener
Lagerhaus-Gründer bzw. -Eigentümer. Er übertrug sie 1874 auf die
Firma Niemann & Tintelnot.
Gründung einer
Lagerhausgesellschaft mit einem Stammkapital von 24 000 Mark
Am 31. Oktober 1912
schließlich wurde beim Amtsgericht in Vlotho in das
Handelsregister die Gründung der „Vlothoer Lagerhausgesellschaft
m.b.H." eingetragen und somit ein ordentlicher,
rechtswirtschaftlicher und wirksamer Zustand zwischen den
nunmehrigen Eignern hergestellt. Diese Gesellschaft verfügte
über ein Stammkapital von 24.000 Reichsmark, das
á conto der
Eigner wie folgt verbucht wurde: 12.000 RM zu Gunsten von Niemann & Tintelnot, Zigarrenfabrik, je 4.000 RM zu Gunsten von
Friedrich Schöning, Zigarrenfabrik, Saatmann & Bödeker,
Zigarrenfabrik, Paul Thoß, Kolonialwarengroßhandlung.
Dazu noch etwas sehr
Persönliches über einen der Gesellschafter: Paul Thoß war
bekannterweise jahrelang kommunalpolitisch und dabei vorwiegend
als Beigeordneter für die Stadt Vlotho tätig. Ganz im Gegensatz
zu seiner mal geäußerten Meinung „Man muss immer einen Löffel in
der Hand haben, wenn es Brei regnet!" verzichtete er jedoch
darauf, jedweden Pfennig für diese Tätigkeit zu verlangen, wozu
er in angemessener Weise berechtigt gewesen wäre.
Der Auflösung
entgegen
Die
Lagerhausgesellschaft wurde anfänglich durch zwei
Geschäftsführer vertreten: Julius Tintelnot und Paul Thoß. 1925
schied Julius Tintelnot aus. Ihm folgte Hans Tintelnot. Als die
Zigarrenfabrik Saatmann & Bödeker im Jahre 1950 ihre Fabrikation
aufgab, verteilte sich das Stammkapital der
Lagerhausgesellschaft wie folgt: 14.400 Deutsche Mark (DM)
á
conto Niemann & Tintelnot, je 4.800 Deutsche Mark
á conto
Friedrich Schöning und Paul Thoß. Als Geschäftsführer wurden
bestellt Fritz Tintelnot sen. und Julius Schöning, ab 1955 Fritz
Tintelnot jr. und Dietrich Schöning, ab 1958 Harald Tintelnot
und Dietrich Schöning, ab 1973 Harald Tintelnot und Hans Albin
(Schwiegersohn und Erbe von Paul Thoß). Im gleichen Jahr wurde
die Lagerhausgesellschaft umgewandelt in die „Vlothoer Lagerhaus
Niemann & Tintelnot Kommanditgesellschaft". Einziger
Kommanditist was Hans Albin.
1966 wurde das
Zollamt in Vlotho aufgehoben. Seine Aufgaben wurden vom
Hauptzollamt in Minden ( und Bad Oeynhausen) wahrgenommen. Das
von der Gesellschaft übernommene Gebäude wurde zu einem Wohnhaus
umgebaut, das vornehmlich ausländischen Arbeitern der Firma
Niemann & Tintelnot Unterkünfte bot. Als 1978 die bereits 1969
beschlossene Stadtsanierungsmaßnahmen anstanden, verkaufte die
Kommanditgesellschaft das Lagerhaus und die übrigen
Liegenschaften an den Landschaftsverband Westfalen-Lippe und
löste sich auf.
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