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"die Straße" - "Lange
Straße"
In der Zeit vor 1650, als es noch
keine Oelbrinkstraße gab, bildete die Lange Straße die einzige
Straße von Vlotho, da die von ihr abzweigenden Wege sehr kurz
waren. Denn auch in der Weserstraße hörte die Besiedlung vor der
Bachbrücke (heute Finkhäuser) auf. Sie hieß daher im 17.
Jahrhundert einfach „die Straße".
So wohnte nach dem
Kirchenbuch, das uns die meisten alten Bezeichnungen überliefert
hat, im Jahre 1699 ein Johann Schlüter „in der Straße", eine
Bezeichnung, mit der wir heute nicht viel anfangen können. Da
die damals noch fehlenden Hausnummern das Auffinden der Häuser
sehr erschwerten, teilten die Vlothoer Bürger die Lange Straße
in Unterabschnitte auf. Ihre Namen haben sich zum Teil noch bis
auf die heutige Zeit erhalten, andere sind
schon in Vergessenheit geraten.
Den untersten Teil der Langen
Straße würde man heute wohl als „Beim Güterbahnhof" bezeichnen.
Früher nannte man ihn nach dem gegenüberliegenden Abhang des
Amthausberges, dem Oberg, auf
den heute die Obergstraße hinaufführt, die allerdings nur eine
kleine Gasse darstellt, in der sich aber ein den meisten Bürgern
unbekanntes Stück von Alt-Vlotho erhalten hat. Schon um 1500 hat
sich hier ein „Franz im Oberge"
ein Häuschen gebaut, später entstanden auch am Fuße des Berges,
d. h. an der Langen Straße, weitere Häuser, die nun unter der
Bezeichnung: „unten im Oberge"
oder „unter dem Oberge"
auftreten.
Orientierungspunkt für den anschließenden Teil etwa vom Bahnhof
bis zum heutigen Rathaus war früher das alte Rathaus, das unter
der alten Hausnummer 74 an der Bergseite auf dem freien
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Platz neben der heutigen Kulturfabrik stand und 1832 abgerissen
wurde.
Für die Vlothoer Bürger war
allerdings die Ratsstube oben im Hause weniger wichtig als der
darunter befindliche Ratskeller. So wurde das Rathaus kurz als
„der Keller" bezeichnet und die Leute, die in diesem Teile der
Stadt ihr Haus hatten, wohnten entweder
„hintern, beim" oder
„vorm Keller".
Der daran anschließende Teil
erhielt sein besonderes Aussehen durch die Anlage der Häuser in
zwei oder sogar drei Stockwerken, was durch die Steilheit des
Amthausberges bedingt war. So entstanden
die beiden
„Brinke" und die
„Grund". Der eine Brink
gegenüber der Einmündung der Weserstraße ist schon
1905 abgetragen worden, die
Grund dagegen vor dem heutigen Gesundheitsamt
erst seit 1955 verschwunden und mit
ihr auch die dort liegenden Häuser und die
alte Bezeichnung
„in der Grund". Die noch im
Jahre 1950 vorkommende Bezeichnung „am
Brink“ dürfte sich wohl auf den abgetragenen Brink (bei
Optik-Knöner) beziehen.
Später hieß der gegenüber
liegende Bereich, „Am Markt“.
Denn 1650 hatte der Große Kurfürst dem Flecken Vlotho das Recht
verliehen, einen Wochenmarkt abzuhalten; auf einer Karte von
1796 wird der heutige Dr.-Georg-Schultze-Platz sogar als
„Marktplatz" bezeichnet.
Nach der Verlegung (1819) des Friedhofes
(neben der St. Stephanikirche) auf die
„Heilige Seele" (heute
städtischer Friedhof)
wanderte der Name auf den nach 1819 aufgeschütteten Platz vor
der Stephanikirche, allerdings nicht amtlich, obwohl heute der
Markt dort abgehalten wird. Hier an
der Winterbergstraße hörte früher
„die Straße“ auf; denn das
weitere Stück bis zur Friedhofsstraße gehörte auch zum Besitz
des früheren Klosters Segensthal und wurde erst 1650 zur
Bebauung freigegeben. Das hier liegende Land hatte den Flurnamen
„Tegelkamp“, weil man aus dem
lehmhaltigen Boden Ziegel gebrannt hatte. Die dort entstehenden
schönen Fachwerkhäuser lagen daher „auf
dem Kampe". Die heutige Kampstraße, eine Nebenstraße der
Wasserstraße, hat nach den dort gelegenen Kämpen ihren Namen.
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